Wohnungsmarkt in Ostdeutschland entwickelt sich gut

Wohnungsmarkt in Ostdeutschland entwickelt sich gut


Wohnen
18.12.2017 Autor: bulwiengesa

Im Interview für den Wohnungsmarktbericht Ostdeutschland 2017 der TAG Immobilien AG spricht André Adami über die positive Entwicklung auf den ostdeutschen Wohnungsmärkten, unterschiedliche Einschätzungen und die Miet- und Kaufpreistrends.

 

Herr Adami, alle im Rahmen der Studie untersuchten Städte sind Zuzugsgewinner. Wie wirkt das aus Ihrer Sicht zukünftig auf die Wohnimmobilienmärkte aus?

Diese Städte profitierten in den vergangenen Jahren neben dem Zuzug aus dem Ausland vor allem auch von Landfluchttendenzen. Insbesondere junge Menschen ziehen zur Ausbildung und zum Studium in die ostdeutschen Städte. Neu dabei ist, dass sie im Anschluss dort auch Arbeitsplätze finden, sodass keine Notwendigkeit besteht, in die alten Bundesländer fortzuziehen. Dieser Trend ist nachhaltig und wird sich wahrscheinlich noch in den kommenden Jahren verstärken.

Ostdeutsche Städte wie Rostock profitieren vom Zuzug. Quelle: Andrea Anastasakis, unsplash.com

Welche Ergebnisse der Studie haben Sie überrascht?

Erstaunlich war, dass die positiven Entwicklungen auch schon in den kleinen Städten wie Freiberg oder Waren stattfinden. Bei einzelnen Zahlen zu Miet- und Kaufpreisentwicklung kommen wir bei bulwiengesa zu einer etwas anderen Einschätzung. Beispielsweise schätzen wir laut unserer Daten und Analysen die Entwicklung in Rostock etwas positiver ein: Für uns gehört die Hansestadt zu einer der gefragtesten Städte in den neuen Bundesländern.

Gerade Städte in der Peripherie Berlins wie etwa Nauen oder Strausberg profitieren vom Boom der Hauptstadt.Wie sehen Sie hier die weitere Entwicklung?

Berlin allein wird die wachsende Wohnungsnachfrage in den kommenden Jahren nicht decken können. Aufgrund des innerstädtischen Flächenmangels investieren Projektentwickler bereits zunehmend im Umland bzw. im sogenannten Speckgürtel, zum Beispiel in Potsdam, Schönefeld oder Königs Wusterhausen. Langfristig werden alle Städte und Gemeinden mit einer sehr guten Erschließung durch den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) und einer entsprechend schnellen Verbindung nach Berlin vom Wachstum der Hauptstadt profitieren.

Mittlerweile steigen in vielen der untersuchten Städte die Mieten und Kaufpreise. Ein nachhaltiger Trend?

Die Wirtschafts- und Einkommenssituation hat sich in den wachsenden Städten der neuen Bundesländer nachhaltig verbessert. Deshalb kann und wird auch mehr Geld für attraktiven Wohnraum ausgegeben. Die positive Miet- und Kaufpreiseentwicklung wird sich auf einem etwas moderateren Niveau als in den vergangenen Jahren fortsetzen.

Trotz steigender Mieten sind in zahlreichen Städten die Wohnbelastungskosten sogar gesunken. Das liegt vor allem an einer kräftigen Zunahmeder Kaufkraft und der sinkenden Arbeitslosigkeit. Wie schätzen Sie das für die Mietmärkte ein?

Der Mietwohnungsmarkt wird sich weiter ausdifferenzieren, sowohl in Bezug auf das Angebot, als auch die Nachfrage. Einfache, eventuell sogar unsanierte Wohnungen sollten weiterhin genauso angeboten werden wie topsanierte Stuckaltbauten oder barrierefreie Neubauten mit Klimaanlage.

Auch die Kaufpreisfaktoren bei Mehrfamilienhäusern sind kräftig gestiegen – vielerorts liegen diese schon beim 20-Fachen. Haben wir da schon das Ende der "Fahnenstange" erreicht? Oder wo sehen Sie noch Spielräume?

Die Kaufpreisfaktoren sind durch niedrige Zinsen und mangels anderer Anlageprodukte auf ein Rekordniveau gestiegen. Erst bei nachhaltig höheren Zinsen werden die Faktoren wieder sinken. Für die kommenden zwei bis drei Jahre erwartet bulwiengesa eher eine Stagnation; positive Ausnahmen sind Städte wie Potsdam oder Leipzig, in denen ein ausgeprägter Strukturwandel zu erwarten ist.

 

Hinweis: Das Interview ist Ende Oktober im Wohnungsmarktbericht Ostdeutschland 2017 der TAG Immobilien AG erschienen

Ansprechpartner: André Adami, Niederlassungsleiter Berlin, bulwiengesa, adami [at] bulwiengesa.de