Kleinteilige Wohnkonzepte im urbanen Raum

Kleinteilige Wohnkonzepte im urbanen Raum


Wohnen
19.02.2018 Autor: Katja Meqdam
Microliving ist im Trend. Foto: Brandon Griggs, unsplash.com
Microliving ist im Trend. Foto: Brandon Griggs, unsplash.com

Trends wie demografischer Wandel oder Globalisierung verändern auch die Immobilienbranche. Vom studentischen Wohnen über Serviced Apartments bis zum betreuten Wohnen – die Bandbreite der Angebotsformen in Deutschland wird größer. Die wichtigsten Fakten im Überblick.

Europa gehört weltweit zu den am meisten verstädterten Kontinenten. Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung lebt in urbanen Räumen. Der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum auch in den deutschen Ballungszentren ist enorm, Microliving ist auch eine Antwort auf die hohen Mieten in den Großstädten. Wohnflächen müssen zwangsläufig kleiner werden. Und zwar für immer mehr Zielgruppen.

Vor allem Trends wie die „Singularisierung“ haben eine Zunahme der Nachfrage nach Ein­ und Zweizimmerwohnungen über alle Altersgruppen ausgelöst. Dabei spielen unterschiedliche Wohnkonzepte eine zentrale Rolle. So genannte Serviced Apartments, studentisches sowie betreutes Wohnen bieten den jeweiligen Mietern das, wonach sie suchen und den Investoren die Möglichkeit, attraktive Märkte zu bedienen.

Die wichtigsten Fakten im Überblick

Zunehmende Urbanisierung

Attraktive Großstädte bleiben Wachstumspole – von 2015 bis 2030 wird für die A­-Städte ein Einwohnerwachstum von
 7,5 Prozent prognostiziert, gefolgt von den B­- und C­-Städten mit 2,7 bzw 2,5 Prozent Wachstum. Demgegenüber dürften Deutschland insgesamt (–1,2 Prozent) sowie die D-­Städte (–2,3 Prozent) schrumpfen.

Schwarmverhalten und Migration prägen die Reurbanisierung

Die Determinanten des städtischen Bevölkerungswachstums bilden vor allem Zuzüge junger Haushalte mit vorrangig ausbildungs­ und arbeitsorientierten Wanderungsmotiven, Familien, die verstärkt in der Stadt wohnen wollen, die Generation 50+ sowie Zuwanderer aus dem Ausland. Zudem ermöglichen urbane Räume eher die Flucht aus gesellschaftlichen Konventionen und traditionellen Rollenbildern.

Globalisierung – Urbanisierung – Digitalisierung

Jeder dritte Arbeitsplatz von wissens­ und unternehmensorientierten Dienstleistern befindet sich derzeit in den A- und B-Städten, jeder fünfte sogar nur in den sieben A­Städten.

Hoher Wohnungsbedarf in Deutschland

Mehr Leben pro Quadratmeter in Mikrowohnungen – Microliving ist neben einer Antwort auf die hohen Mieten in den Großstädten auch das Ergebnis des anhaltenden Trends zur Singularisierung über alle Altersstufen in Deutschland. Bis 2030 wird die Zahl der Haushalte in Deutschland um 2,9 Prozent zunehmen, überproportional stark bei den Ein­ und Zweipersonenhaushalten mit 7,5 bzw. 7,6 Prozent. Dreipersonen-­ bzw. Vier­- und Mehrpersonenhaushalte schrumpfen im selben Zeitraum um 11,4 bzw. 12,7 Prozent.

8,3 Prozent Anteil der Business-/Studentenapartments am Wohnungstransaktionsvolumen (2016)


Nach 941 Mio. Euro Umsatz im Jahr 2016 sind bereits im ersten Halbjahr 2017 735 Mio. Euro umgesetzt worden – das Investmentinteresse institutioneller Investoren steigt weiterhin.

Demografie führt zu weniger Studienanfängern


Ab 2020 wird bei gleichbleibenden Parametern ein deutlicher Rückgang der Studierendenzahlen erwartet: Die Alterskohorte der 18- ­ bis 30-­Jährigen in Deutschland wird von 2015 bis 2030 um 11,3 Prozent zurückgehen, was nur teilweise durch prozentual steigende Studienanfängeranteile pro Abiturjahrgang kompensiert werden kann. Ein demografisch bedingtes Schrumpfen heimischer Studienanfänger kann jedoch durch das Wanderungsverhalten ausländischer Studieninteressierter substituiert werden – aus internationaler Perspektive gilt der Studienort Deutschland als besonders attraktiv.

Quelle: bulwiengesa

Substanzielle Angebotslücke bei kleinen Wohnungen

Trotz verstärkter Bautätigkeit und Fertigstellung von vermehrt kleineren Wohnungen – nicht nur in den A­ -und B-­Städten, sondern auch an vielen Universitätsstandorten – hat sich das Verhältnis von Einpersonenhaushalten zu Ein-­ und Zweiraumwohnungen in den letzten Jahren weiter von 42,6 Prozent (2011) auf 40,9 Prozent (2015) verschlechtert. Für 100 Einpersonenhaushalte gibt es in den sieben A­-Städten nur 41 Wohnungen mit ein oder zwei Räumen.

Serviced Apartments mit neun Prozent Marktanteil am Hotelmarkt

Rund 15 600 Apartments verteilt auf 220 Objekte befinden sich in den deutschen A­-Städten, weitere 79 Projekte mit rund 11 000 Apartments gehen bis 2020 in Bau (50 Prozent) oder sind in Planung (50 Prozent).

Alt werden zu Hause – immer mehr Rentner leben allein

Etwa jeder dritte Bundesbürger lebt im Rentenalter alleine – Tendenz deutlich steigend. Unter den Frauen der Generation 65+ liegt der Anteil der Alleinlebenden in Privathaushalten aktuell bei 45 Prozent, mehr als doppelt so hoch wie bei den Männern mit 19 Prozent. Die meisten wollen so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden bleiben. Mit zunehmendem Alter steigt
aber auch der Anteil der älteren Menschen, die sich gesundheitlich beeinträchtigt fühlen. Drei Viertel der Pflegebedürftigen in Deutschland werden derzeit zu Hause versorgt, davon 33 Prozent von einem Pflegedienst, der Großteil jedoch über Angehörige. Der Versorgungsgrad (Anzahl von Einheiten des betreuten Wohnens je 100 Einwohner im Alter von 70 Jahren und älter) variiert aktuell stark unter den deutschen A­Städten: Von 2,2 Prozent in München bis 10,5 Prozent in Frankfurt am Main schlägt dieser Gradmesser aus – angesichts der demografischen Entwicklung droht hier eine Versorgungslücke zu entstehen.

 

Hinweis: Der Text ist ein Auszug aus der Broschüre „Trend: Urbanes Wohnen im Taschenformat“, die 2017 im Auftrag der Berlin Hyp entstand.

Ansprechpartner: Katja Meqdam, Projektleiterin Wohnen, bulwiengesa, meqdam [at] bulwiengesa.de