Logistikregionen: Potenziale abseits der Big 5

Logistikregionen: Potenziale abseits der Big 5


Logistik & Industrie
20.03.2019 Autor: Tobias Kassner

Bei aller unbestrittenen Bedeutung der "Big 5", also der fünf größten Logistikregionen – Logistik geschieht nicht nur in den großen Metropolen. Zwar ist die Distribution von Gütern ein bedeutender Eckpfeiler der Logistik, weshalb die Nähe zu den großen Absatzmärkten natürlich eine wichtige Rolle spielt. Und natürlich sind diese Märkte in den Metropolräumen besonders stark aufgestellt. Aber das aktuell errechnete und hier erstmals publizierte Scoring 2018 zeigt: Über sämtliche Regionen stiegen die durchschnittlichen Scorewerte an.

Warum braucht es das Scoring? Die Lage von Logistikimmobilien in nachhaltig attraktiven Logistikregionen ist für Logistiker, Projektentwickler, Investoren und Finanzierer enorm wichtig. Während Eigennutzer sich zum Teil nach sehr individuellen Kriterien für eine bestimmte Lage entscheiden, ist den genannten Akteuren eine möglichst gute immobilienökonomische Nachhaltigkeit wichtig. Das Scoringverfahren von bulwiengesa misst jährlich die Marktattraktivität der Logistikregionen. Darin fließen Marktdaten wie das Bau- und Investmentvolumen von Logistikimmobilien ein sowie weitere immobilienökonomische Werte.

Top 3: beständig

Die ersten Plätze im Attraktivitätsranking werden, wie auch in den Vorjahren, abermals durch die Top-Logistikregionen Berlin, München und Hamburg bestimmt. Berlin konnte im Vergleich zum Vorjahr überdurchschnittlich stark punkten.

Besonders hervorzuheben ist in Berlin die Entwicklung der Mieten. 2017 lag die Spitzenmiete noch bei rund 5,00 Euro. 2018 kam es zu einem Sprung von über zehn Prozent: 5,60 Euro/qm wurden hier für Spitzenmieten moderner Logistikimmobilien aufgerufen. Die Attraktivität des Berliner Marktes wird unter anderem durch seine besondere Rolle als dynamischer Absatzmarkt bestimmt. Auch Arbeitskräfte stehen in der Logistikregion zur Verfügung, was beispielsweise in München nicht mehr oder nur noch zu höheren Preisen der Fall ist. Darüber hinaus konnte Berlin ein starkes Jahr in Bezug auf die Investmentnachfrage verzeichnen und setzt sich damit von Hamburg und München ab.

Hamburg vor München

Hamburg konnte sich 2018 noch vor München positionieren. Hier wird die Dynamik des Hamburger Marktes deutlich, unter anderem begründet in starken Angebots- und Nachfragescores. Auch in Bezug auf die Grundstückspreise ist Hamburg deutlich attraktiver aufgestellt als die Logistikregion München – im Norden sind die Preise lange nicht so hoch.

Das Revier holt auf

Die Logistikregion Rhein-Ruhr konnte ihre Position im Vergleich zum Vorjahr abermals verbessern. Als sehr einwohnerstarke und -dichte Region liegen hier wichtige Standorte für die regionale und nationale Distribution. Der allgemeine Strukturwandel wirkt sich auch auf die Standorterfordernisse der Logistik aus. Die Logistikregion überzeugte im Jahr 2018 mit dem besten Oberscore für die Investmentnachfrage. Auch angebotsseitig konnte einer der höchsten Scorewerte errechnet werden. Der Gesamtscore ordnet sich nur minimal hinter dem der Stadt München ein. Bei einer anhaltend hohen Nachfrage erscheint ein Platz unter den Top 3 im laufenden Jahr 2019 durchaus möglich.  

Gesamtnote 1 erstmals an Hannover/Braunschweig

Die Region ist für viele Akteure womöglich ein blinder Fleck auf der Landkarte – noch, muss man wohl sagen. Denn die Logistikregion Hannover/Braunschweig aus der Mitte Deutschlands konnte erstmals ein Gesamtscoring erreichen, das mit der Gesamtnote 1 übersetzt werden kann. Die Logistikregion steht auf einem soliden Fundament und kann besonders durch einen starken Angebotsscore überzeugen.

Übersicht: Die Marktattraktivität der 28 Logistikregionen

Top-Aufsteiger: Aachen

Aachen positionierte sich im Jahr 2018 auf Platz 12 und konnte somit neun Plätze im Vergleich zum Vorjahr aufsteigen. Damit ist Aachen die Logistikregion mit der besten Veränderung im Vergleich zum Vorjahr. Im Mieten- und Grundstücksscore konnte Aachen besonders gute Werte vorweisen. Halle/Leipzig sowie Niederbayern zählen zu den Verlierern des aktuellen Rankings. Unter anderem durch eine unterdurchschnittliche Investmentnachfrage in diesen Regionen wurde ein Verlust von sechs Positionen im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet.

Hinweis: Der Text ist erstmals erschienen in der DVZ Deutsche Verkehrs-Zeitung am 20.3.2019

Update Mai 2019: Durch eine aktualisierte Datengrundlage (20.05.19), welche Neuerungen der aktuellen Quartalszahlen beinhaltete, hat sich das Ranking geringfügig verändert. Die Logistikregion Köln befindet sich nun auf dem 7. Platz und die Logistikregion Düsseldorf ist nunmehr auf dem 8. Platz zu finden.

Ansprechpartner: Tobias Kassner, Bereichsleiter für Industrie- und Logistikimmobilien bei bulwiengesa, kassner [at] bulwiengesa.de