Highstreet: Sorgenkind oder Dauerbrenner?

Highstreet: Sorgenkind oder Dauerbrenner?


Einzelhandel
11.02.2019 Autor: Ralf-Peter Koschny

Signa kauft Kaufhof und setzt damit auf die Highstreet, Onlinehändler eröffnen Läden in den Toplagen. Auf der anderen Seite brechen Umsätze ein, Investoren erwarten kaum mehr Mietsteigerungen. Wie gehts weiter in der Highstreet? Ein Kurzkommentar

Definitiv ein Gutes hatte der Kauf der Warenhauskette Kaufhof im letzten Jahr: Endlich rückt wieder die Highstreet in den Fokus der Diskussion. Mit ihren ca. 2 Mrd. EUR Investment zeigte sich die Investmentgesellschaft Signa überzeugt, dass die Highstreet Zukunft hat. Zwar wird derzeit darüber spekuliert, welche Beweggründe denn tatsächlich hinter diesem Investment stehen. Aber ein Grund ist sicherlich der Glaube an die Zukunft der Highstreet.

Und dies aus unserer Sicht zurecht: Wurde in den letzten Monaten diskutiert, dass Onlinehandel und verändertes Verkaufsverhalten die Bedeutung des Einzelhandels in der Innenstadt schmälern könnte, wird inzwischen differenzierter analysiert.

Zumindest beim Einkaufsbummel ist von Umsatz- oder Frequenzrückgang nichts zu merken

Die neusten Meldungen zeigen, dass die Aktivitäten zum Onlinevertrieb von Lebensmitteln stark eingeschränkt werden – seit Langem nun ein Zeichen für mögliche Grenzen des Online-Wachstums. Die Verantwortlichen in den Städten denken über den zunehmenden Lieferverkehr nach und suchen nach Lösungen, diesen zu beschränken. Ideenwettbewerbe wie beispielsweise aktuell in Bremen beschäftigen sich mit der Zukunft der Innenstadt.

Ein weiteres klares Signal pro Highstreet: Onlinehändler eröffnen Stores in den Innenstädten. Denn Onlinehändler brauchen und suchen den persönlichen Kontakt zum Kunden. Die Webpräsenz allein kann das nicht leisten.

Dennoch sind viele erschrocken über die Umsatzrückgänge auf der Fläche und Insolvenzverfahren im Textileinzelhandel. Auch wenn diese zumindest bei denjenigen Anbietern nicht verwunderlich sind, die die Schnelllebigkeit der Branche verschlafen haben. Viele konnten die Forderung nach einer dynamischen Kollektionsstrategie nicht erfüllen, der heiße Sommer gab einigen den Rest.

Nicht allein aus diesem Grunde erwarten wir, dass die in den vergangenen Jahren „gewohnten“ hohen Mietsteigerungspotenziale der Vergangenheit angehören. Auch der allgegenwärtige Frequenzrückgang trägt zu einer schwierigen Umsatzsituation bei und drückt auf die Mieten. Im Moment ist es tatsächlich schwierig, angemessene Mieten abzuleiten. Ein Grund, den Abgesang auf den Handel in Highstreet-Lagen einzuläuten, ist das jedoch nicht.

Die Dynamik des Handels in der Innenstadt wird sich mit neuen Formaten fortsetzen. Gastronomie gewinnt an Bedeutung für die Innenstadt und trägt zur Belebung des Handels bei. Vor diesem Hintergrund müssen wir uns auf neue Benchmarks für künftige Innenstadtmieten einstellen.

 

Autor: Ralf-Peter Koschny, Sprecher des Vorstands bulwiengesa AG, koschny [at] bulwiengesa.de