Befragung zu Großraumbüro, Homeoffice und Coworking

Befragung zu Großraumbüro, Homeoffice und Coworking


Büro
29.10.2020 Autor/en: Nicole Tietze

Der Einfluss der Krise auf Büroarbeitsplätze ist enorm. Seit Frühjahr 2020 ist die „Rekorde-Jagd“ auf dem Bürovermietungsmarkt (nicht nur) in Berlin abrupt beendet. Für den jüngsten Marktbericht für die Berliner Sparkasse haben wir nicht nur die klassischen Marktdaten zusammengetragen, sondern auch Entscheider nach der Zukunft von Großraumbüros, Coworking und Homeoffice gefragt. Die Antworten: durchaus ambivalent

Mit dem Einsetzen der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 ist der Berliner Bürovermietungsmarkt ins Stocken geraten. Zwar verharren die Leerstandsquote und Nettoanfangsrendite weiter auf dem Niveau des Vorquartals, jedoch gab es Veränderungen bei den weiteren Halbjahres-Kennzahlen. So ging der Büroflächenumsatz im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019 um 25 % zurück und die Spitzenmiete hat – verglichen mit Q1/2020 – ebenfalls leicht nachgegeben.

Gemeinsam mit der Berliner Sparkasse haben wir in diesem Marktumfeld eine Befragung aufgesetzt. Insgesamt haben 72 Personen im Juli 2020 an der Online-Erhebung teilgenommen. Der Fokus lag auf Berlin, was auch an der Zusammensetzung der Teilnehmer sichtbar wird. So haben knapp 80 % der Befragten ihren Unternehmenssitz in Berlin bzw. 88 % in Berlin und dem Großraum der Hauptstadt.

Ergänzt wurde die Befragung durch Interviews mit ausgewählten Experten des Berliner Büromarktes. Im Blog stellen wir Ihnen die wichtigsten Ergebnisse vor.

Vorerst Geschichte: viele Menschen eng beieinander im Büro. Wie sich ein größerer Abstand einerseits und Homeoffice andererseits auf die Flächennachfrage auswirkt, ist bislang schwer einzuschätzen.

Abstands- und Hygieneanforderungen: Ist das Großraumbüro ein Auslaufmodell?

Der Druck auf Unternehmen, Prozesse zu optimieren, um u. a. Kosten einsparen zu können, erfasste in den vergangenen Jahren auch das Arbeiten im Büro. In diesem Zusammenhang steht bei zahlreichen Firmen auch die Transformation vom Einzel- bzw. Zweier- hin zu einem Großraumbüro. Viele Akteure versprachen sich davon eine offenere, dynamischere und flexiblere Arbeitsatmosphäre, die zudem kreative Prozesse fördern soll. Mit dem Einsetzen der Corona-Pandemie war das Arbeiten im Großraumbüro durch die empfohlenen Regeln der Bundesregierung nicht mehr ohne Weiteres möglich.

Die Mehrheit der Befragten geht davon aus, dass eine Transformation der Büroarbeitsplätze einsetzen wird. Nur 15 % glauben, dass dieser von der Krise unberührt bleibt. Ergänzend sind insgesamt 70 % der Teilnehmer der Ansicht, dass die derzeitige Pandemie zu einer sinkenden Nutzung des Großraumbüros führen wird. Hingegen glauben nur 4 %, dass eine steigende Inanspruchnahme zu erwarten ist. 25 % sind der Meinung, dass es keine Veränderungen geben wird.

Homeoffice als Zukunftsmodell?

Knapp zwe Drittel der Befragten gaben zunächst an, dass sich ihre Tätigkeit grundsätzlich für Homeoffice eignen würde, sogar vor dem Hintergrund, dass technische (IT-Sicherheit, Internetverbindung) und arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen(Arbeitsschutzgesetz und Arbeitsstättenverordnung) erfüllt sein müssen. Erstaunlich: Drei Viertel der Teilnehmer legten dar, dass ihre Mitarbeiter schon vor der Krise die Möglichkeit hatten, im Homeoffice zu arbeiten. Somit zeigt sich, dass Homeoffice nicht nur ein Privileg einiger ausgewählter Personen gewesen ist. Jedoch haben rund 45% der Arbeitgeber Bedenken bei diesem Arbeitsmodell. So wird befürchtet, dass es u. a. zu einem Leistungsabfall der Mitarbeiter kommt. Ein Zusammenhang zwischen Homeoffice und der Betriebsgröße konnte nicht festgestellt werden. Die Corona-Pandemie kann somit zwar als Katalysator, dennoch nicht als Auslöser dieses Trends gesehen werden.

Einfluss der Krise auf Coworking-Anbieter in Berlin

Der Wandel in der Arbeitswelt führt zu neuen Anforderungen an die Bürofläche. So hat sich in den zurückliegenden Jahren mit Coworking ein Produkt herausgebildet, das derzeit im Zentrum des medialen Interesses steht. Nun scheint sich die Pandemie auch auf Anbieter von Coworking-Flächen auszuwirken. Eine Nachfrage bei Ben Barthel, Leiter Büroimmobilien bei BNP Paribas Real Estate in Berlin ergab, dass es zu einer Überprüfung der sehr expansiven Standortpolitik der vergangenen Jahre kommt. Auch das Umsatzergebnis des ersten Halbjahres 2020 zeigt das verhaltene Agieren der Anbieter.

Die Teilnehmer der Umfrage sind bei dem Thema uneins. So glaubt fast ein Drittel, dass es durch die Corona-Krise zu einer steigenden Nutzung von Coworking kommen wird. Hingegen sind 35 % von einer sinkenden Nutzung überzeugt. Ursächlich hierfür ist ihrer Meinung nach die zunehmende Etablierung von Homeoffice oder ein größeres Angebot an Büroflächen; folglich würde der Bedarf an Coworking-Flächen nicht mehr wachsen.

Auswirkungen auf die Büroflächennachfrage

Im Zuge der Debatte um die zunehmende Nutzung von Homeoffice wird auch die zukünftige Flächeninanspruchnahme thematisiert. Nahezu 90 % der Teilnehmer der Befragung erwarten, dass sie in den nächsten Jahren keine zusätzlichen Büroflächen benötigen werden. Auch die befragten Experten bestätigen, dass Unternehmen derzeit nicht expansiv unterwegs sind – so fehlen derzeit vor allem Firmen aus „Übersee“, auch hat sich die Nachfrage der Tech-Unternehmen, den Treibern des Booms, verringert.

Fazit

Generell bestätigt die Untersuchung das derzeit vorherrschende ambivalente Bild im Markt. So müssen sich die zuständigen Akteure kritisch mit dem Modell Großraumbüro auseinandersetzen. Unternehmen werden bzw. müssen Abstandsflächen vorhalten, was für einen höheren Flächenverbrauch spricht. Andererseits zeigen die Erfahrungen der zurückliegenden Wochen, dass sich Homeoffice nachhaltig etablieren wird, also auch weniger Bürofläche benötigt werden könnte. Ebenfalls auf dem Prüfstand stehen die Anbieter von Flexible Workspaces. Auf dem Berliner Büromarkt werden also in mittlerer Zukunft Wachstums- und Konsolidierungsimpulse wirken. Der vor der Krise stark steigende Nachfragedruck ist damit vorerst gebremst. Ob also tatsächlich langfristig mehr oder weniger Bürofläche benötigt wird, kann noch nicht in einen validen Zusammenhang gebracht werden. Eines steht jedoch fest: Büros werden auch in Zukunft gebraucht; durchaus vorstellbar ist jedoch, dass sich die Ausgestaltung des Arbeitsplatzes ändern wird.

 

Hinweis: Der Marktbericht kann auf der Website der Berliner Sparkasse heruntergeladen werden.

Ansprechpartnerin: Nicole Tietze, Studienleiterin im Bereich Büroimmobilien, tietze [at] bulwiengesa.de