Januar: Tourismus in Deutschland mit Rekordzuwachs

Januar: Tourismus in Deutschland mit Rekordzuwachs


Chart des Monats
02.01.2019 Autor: Dierk Freitag

Der Tourismus in Deutschland schreibt Erfolgsgeschichte. Schon seit neun Jahren in Folge legen die Ankunfts- und Übernachtungszahlen zu. Der Grund ist vor allem die hohe Binnennachfrage. Der Auslandstourismus ist dagegen an vielen Orten ausbaufähig.

Nach vorläufigen Hochrechnungen steigt die Anzahl der Ankünfte im deutschen Beherbergungsgewerbe 2018 um 3,8 % auf ca. 185,1 Mio. und die Anzahl der Übernachtungen um 3,9 % auf rund 477,6 Mio. an. Diese Zuwachsraten stellen einen neuen Rekordwert dar und dokumentieren die Attraktivität Deutschlands für Gäste aus dem In- und Ausland.

Diese positive Entwicklung ist beachtlich, aber in Europa kein Einzelfall. Auch Deutschlands Nachbarn profitieren vom weltweit wachsenden Tourismus. In Dänemark, Polen und den Niederlanden stiegen die Übernachtungszahlen in den vergangenen Jahren sogar stärker als hierzulande. Allerdings liegt Deutschland gemessen am absoluten Tourismusaufkommen weit vor seinen Nachbarn.

In vielen Städten ist der Auslandstourismus ausbaufähig

Das hohe Übernachtungsaufkommen in Deutschland resultiert aus einer starken Binnennachfrage. Für die Deutschen ist Deutschland das wichtigste Reiseland, noch weit vor Spanien, Italien oder Frankreich. Der Incoming-Tourismus hingegen ist ausbaufähig. Nur jeder fünfte Gast, der Deutschland bereist, kommt aus dem Ausland. Dies ist im Vergleich zu anderen europäischen Hauptreiseländern ein niedriger Wert. So liegt der Auslandsanteil am Übernachtungsvolumen in Frankreich bei ungefähr einem Drittel, in Italien bei rund der Hälfte und in Spanien sowie Österreich bei ca. zwei Dritteln.

Innerhalb Deutschlands variiert der Auslandsanteil jedoch stark. Generell ist der Süden Deutschlands bei Ausländern beliebter als der Norden, der Westen beliebter als der Osten. Auch zwischen den Großstädten variiert das Verhältnis von Inland zu Ausland deutlich. So liegt z. B. der Übernachtungsanteil ausländischer Gäste in Hamburg deutlich niedriger als in Berlin, Frankfurt oder München, wo „Exportschlager“ wie das Oktoberfest oder große Messen die Nachfrage aus dem Ausland enorm positiv beeinflussen.

Als Reiseziele gewinnen deutsche Großstädte zunehmend an Bedeutung: Knapp ein Drittel aller Übernachtungen finden mittlerweile in deutschen Mittel- und Großstädten mit über 100.000 Einwohnern statt, zwei Drittel davon in den 14 deutschen Städten mit über 500.000 Einwohnern.

Auch die deutschen Feriengebiete verzeichneten Zuwächse bei den Übernachtungszahlen. Besonders hoch fielen die Zuwächse an Nord- und Ostsee aus, wo allein 2018 nach vorläufigen Hochrechnungen fast 20 % mehr Übernachtungen gezählt wurden. Aber auch Harz, Sauerland oder Allgäu erfreuen sich zunehmender Beliebtheit.

Hohe Nachfrage gut für Ketten- und Markenhotellerie

Vielerorts wächst die Nachfrage stärker als das Angebot: Die Bettenauslastung der Hotellerie insgesamt ist in den letzten zehn Jahren um rund acht Prozentpunkte auf 46,3 % gestiegen; die Zimmerauslastung lag von Januar bis Oktober 2018 im Durchschnitt bei 63,6 %. Die deutsche Kettenhotellerie verzeichnet seit Jahren wachsende Auslastungszahlen und steigende Durchschnittsraten.

Im Vorteil ist hier die Markenhotellerie. Diese hat in den vergangenen Jahren ihre Prozesse laufend optimiert, unter anderem durch Systeme für die Kundenbindung (CRM), für Revenue Management oder Reservierung und Verwaltung. Dies spiegelt sich in den Umsatzzahlen vieler Hotelgruppen wider. Leidtragende sind vielerorts kleinere mittelständische Betriebe, denen das nötige Kapital für Digitalisierung, Modernisierung und Marketing fehlt. So sehen sich kleinere Betriebe vielfach zur Betriebsaufgabe gezwungen.

Das Expansionstempo der Hotelketten ist enorm. Nachdem der Expansionsfokus der Kettenhotellerie lange Zeit auf die deutschen Großstädte gerichtet war, besteht nun auch hohes Interesse an Standorten in deutschen Mittelstädten, in denen zeitgemäße und leistungsstarke Angebote fehlen. Zudem rücken vermehrt deutsche Feriengebiete in das Blickfeld von Betreibern, Investoren und Entwicklern, da auch dort gute Wachstumschancen bestehen.

 

Ansprechpartner: Dierk Freitag, Bereichsleiter für den Freizeit- und Hotelmarkt bei bulwiengesa, freitag [at] bulwiengesa.de